Eiskunstläuferin in schwarzem Kleid auf Eisbahn

Siljas Weg aufs Eis – Wenn Träume stärker sind als Grenzen

Ein Blick durchs Fenster

Manche Träume entstehen leise. Bei Silja begann alles mit einem Blick durchs Fenster. Mit fünf Jahren wurde sie zu einem Kindergeburtstag auf die Eisbahn am Dolder eingeladen. Während andere Kinder ihre ersten Runden drehten, sass Silja im Restaurant und beobachtete sie voller Staunen. Silja lebt mit Zerebralparese und konnte erst mit drei Jahren laufen. Dass sie selbst aufs Eis durfte, schien damals unmöglich. Doch genau in diesem Moment war ihr Wunsch geboren: Ich will das auch.

Hartnäckigkeit und erste Erfahrungen

Trotz Sorgen, Zweifel und der Frage, ob das überhaupt machbar sei, blieb sie hartnäckig. Erste Versuche auf dem Eis folgten mit der Schulklasse – mit viel Unterstützung von ihrer Mutter, Therapeutinnen und Begleitpersonen. Hinfallen, aufstehen, weitermachen. Immer wieder. Was für andere selbstverständlich war, bedeutete für Silja pure Willenskraft.

Der Traum vom grossen Eis

Ihr Alltag war lange von Schule und intensiven Therapien geprägt. Zeit für Hobbys blieb kaum. Und doch blieb das Eis präsent – als Sehnsuchtsort, als Traum, der nie ganz verschwand. Einen entscheidenden Wendepunkt erlebte Silja 2006, als sie mit ihrer Familie die Olympischen Spiele im Fernsehen verfolgte. Fasziniert von den Athletinnen und Athleten wusste sie: Eines Tages möchte auch ich Eislaufstunden nehmen.

Freiheit auf dem Eis

Schritt für Schritt wurde aus dem Traum Realität. Der Weg führte über Umwege, Internatsaufenthalte und eingeschränkte Trainingsmöglichkeiten. Doch Silja blieb dran. Heute ist Eiskunstlauf für sie weit mehr als Sport. Auf dem Eis findet sie Freiheit. Einen Raum, in dem sie sich ausdrücken, entfalten und ganz bei sich sein kann. Alles andere tritt in den Hintergrund. „Auf dem Eis bin ich in einer anderen Welt“, sagt Silja. Eine Welt, in der es nur die Musik, die Bewegung und den Moment gibt.

Zuhause im Heuried Zürich

Seit 2019 ist Silja Teil des Eislauf-Club Heuried – Zürich. Der Club ist für sie ein Zuhause geworden. Mit Trainerinnen, die an sie glauben, sie individuell begleiten und ihr den Raum geben, ihren eigenen Weg zu gehen. Dieses Vertrauen hat viel verändert.

Ein Traum wird wahr: Turin 2025

Ein ganz besonderer Meilenstein folgte: Silja durfte an den World Winter Games Turin 2025 teilnehmen. Für sie schloss sich dort ein Kreis. Zum ersten Mal Teil dieses internationalen Grossanlasses zu sein, die Atmosphäre zu erleben und ihr Können auf dieser Bühne zu zeigen, war mehr, als sie je zu träumen gewagt hatte. Nicht als Zuschauerin hinter einer Fensterscheibe, sondern als Athletin mitten im Geschehen.

Dankbarkeit und Zukunft

Zusätzliche Unterstützung erhält Silja inzwischen auch vom Schweizer Eislaufverband. Eine Anerkennung, die ihr unglaublich viel bedeutet. Sie ermöglicht ihr, an Schaulaufen und Wettkämpfen teilzunehmen, eine Lizenz zu besitzen und ihren Traum weiterzuleben.

Heute spricht Silja nicht von Medaillen oder Erwartungen. Sie spricht vom Geniessen. Davon, dankbar zu sein. Und davon, wie wichtig es ist, an sich zu glauben – auch dann, wenn andere es noch nicht tun. Ihre Geschichte zeigt: Träume kennen keine Grenzen. Manchmal brauchen sie nur Zeit, Geduld und Menschen, die bereit sind, Türen zu öffnen.

Und manchmal beginnt alles mit einem einzigen Wunsch: Ich will aufs Eis.

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