Die Vision von Special Olympics ist klar: Durch die Kraft des Sports eine inklusive Welt schaffen, in der Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung ein aktives, gesundes und erfülltes Leben führen können.
Herausforderungen im Schweizer Sport
Der erste Schattenbericht von Inclusion Handicap zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention zeigt deutlich: Die Doppelstruktur im Schweizer Sport fördert die Segregation und erschwert damit die gleichberechtigte Teilhabe. Genau hier setzt Special Olympics Switzerland an.
Unser Beitrag zur Umsetzung ist in einer klaren Positionierung festgehalten
Wir haben acht zentrale Handlungsfelder definiert, mit denen wir den Zugang zum Sport verbessern und nachhaltige Strukturen schaffen:
Position 1: Eine Sportlerin ist eine Sportlerin; ein Sportler ist ein Sportler
Sportler:innen mit kognitiven und mehrfachen Beeinträchtigungen finden aus historischen Gründen ihre Bewegungs-, Spiel- und Sportangebote hauptsächlich in speziell für sie geschaffenen Angeboten in Institutionen und Behindertensportvereinen. Die Person wird zuerst als «behindert» gesehen und nicht in erster Linie als Sportlerin oder Sportler.
Es wird immer Menschen geben, deren sportliche Betätigung aufgrund schwerer Behinderung im Rahmen des Sportvereins keine Heimat findet. Für sie wird es auch weiterhin individuell angepasste Angebote mit unterschiedlich hohem Betreuungsaufwand brauchen.
Wir unterstützen Regelsportverbände und deren Mitgliedvereine, dass Sportler:innen mit kognitiver Beeinträchtigung ihre Sportart in einem sportartspezifischen Sportclub betreiben können und Teil des Vereinslebens sind.
Position 2: Eine Zuständigkeit auf nationaler Ebene
In der Schweiz ist der Sport über sportartenspezifische Verbände organisiert. Aktuell sind dies 81 so genannte Regelsportverbände. Diesen Verbänden sind rund 18’000 Sportvereine angeschlossen. Dachverband aller Sportverbände ist Swiss Olympic.
Wir setzen uns dafür ein, dass Sportler:innen mit kognitiver Beeinträchtigung Zugang zu den Regelsportverbänden haben, dort lizenziert sind und auch von deren Förderung profitieren können.
Position 3: Transfer der Wettkampfangebote
Aktuell werden die meisten Angebote für Menschen mit kognitiver und mehrfacher Beeinträchtigung, bei denen sie ihre Leistungen vergleichen können, nicht vom jeweiligen Regelsportverband organisiert und durchgeführt, sondern von Veranstaltern, die auf den Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigung spezialisiert sind; dazu gehört auch SOSWI.
Erste Regelsportverbände haben damit begonnen, Verantwortung zu übernehmen und über ihre Sportclubs Trainings- und Wettkampfangebote auch für Sportler:innen der Zielgruppe von SOSWI zu realisieren. SOSWI sieht ihre Rolle als Fachorganisation darin, den Regelsportverbänden und deren Mitgliedern die Erfahrung und das Wissen im Umgang mit dieser Zielgruppe zur Verfügung zu stellen.
Wir arbeiten aktiv darauf hin, dass Wettkampfangebote für Sportler:innen mit kognitiver Beeinträchtigung von den zuständigen Regelsportverbänden organisiert und getragen werden.
Postition 4: Offene Multisport-Anlässe
Multisport-Veranstaltungen von Special Olympics Switzerland sind Manifeste für Menschlichkeit, Freude, Wertschätzung, Offenheit und Emotionen. Sie bieten für Menschen mit kognitiven und mehrfachen Beeinträchtigungen eine Plattform.
Multisport-Veranstaltungen, das heisst Events mit drei oder mehr Sportarten, werden in Form von Regional- und National Games von SOSWI, wenn möglich in Kooperation mit den entsprechenden Regelsportverbänden durchgeführt. Sie ebnen den Weg für die Teilnahme an den Special Olympics World Games, die alle vier Jahre, alternierend für Sommer- und Wintersportarten stattfinden.
Die Teilnahme an Multisport-Veranstaltungen steht Sportler:innen der Regelsportverbände, aber auch aus Behindertenorganisationen oder privaten Initiativen offen.
Wir ermöglichen Sportler:innen mit kognitiver Beeinträchtigung die Teilnahme an unseren Multisport-Veranstaltungen und an internationalen Special Olympics Events.
Position 5: Anerkennung der Leistung
Für Menschen mit kognitiver und mehrfacher Beeinträchtigung stehen im Training und bei Wettkämpfen die sportliche Entwicklung und die individuellen Fortschritte im Zentrum. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten erzielen die Sportler:innen beeindruckende Leistungen. Diese verdienen Anerkennung und sollen gesehen, unterstützt und gefördert werden.
Wir arbeiten dafür, dass die sportlichen Leistungen von Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung die Anerkennung finden, die sie verdienen und damit auch von Swiss Olympic und den Regelsportverbänden unterstützt und gefördert werden können.
Position 6: Gesundheit als Voraussetzung
Voraussetzung um Sport zu treiben und Leistungen zu verbessern, ist eine gute Gesundheit. Menschen mitkognitiver und mehrfacher Beeinträchtigung erleben im Schweizer Gesundheitssystem nach wie vor grosse Hürden. Sie werden nicht immer auf Augenhöhe angesprochen, erhalten zu wenig verständliche Informationen, stossen auf Strukturen, die kaum auf ihre Bedürfnisse abgestimmt sind und haben eine tiefere Lebenserwartung als der Durchschnitt der Bevölkerung. Auch der Zugang zu Prävention, Bewegung und Gesundheitsbildung ist vielfach eingeschränkt.
Wir verbessern das körperliche und sozial-emotionale Wohlbefinden von Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung und fördern ihren Zugang in Gesundheits-, Wellness- und Pflegesysteme.
Position 7: Mitbestimmung als Recht
Die Beteiligung an Entscheidungen und die Übergabe von Verantwortung an Menschen mit kognitiver und mehrfacher Beeinträchtigung sind Ziele von SOSWI. Gleichzeitig wissen wir, dass es neue und angepasste Formen von Kommunikation, Mitbestimmung und Entscheidungswegen braucht, die entwickelt und weiterentwickelt werden müssen. Wir bleiben intern kritisch und aufmerksam, wie eine wirkliche Beteiligung stattfindet und was es dazu braucht.
Wir ziehen Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung auf allen Stufen der Organisation, entsprechend ihren Möglichkeiten und Stärken, in die Entscheidungs- und Gestaltungsabläufe mit ein.
Position 8: Anerkennung der Betreuenden
Jede Sportaktivität in der Schweiz ist abhängig von engagierten Personen, welche die Voraussetzungen für Bewegungs- Spiel- und Sportangebote schaffen. Dies gilt auch für Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung. Im Schweizer Sportsystem ist es allgemein schwierig, diese Leute zu finden und sie so zu unterstützen, dass sie ihre Aufgabe regelmässig ausführen können, nicht ausbrennen oder scheitern.
Wir suchen, stärken und unterstützen Personen, die Bewegungs-, Spiel- und Sportangebote für Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung schaffen und setzen uns für Sichtbarkeit, gesellschaftliche Anerkennung und Wertschätzung dieser Personen ein.
Swiss Inclusive Sport
Mit dem Verein Swiss Inclusive Sport haben wir einen Leistungsauftrag insbesondere in Bezug auf die Begleitung, Betreuung und Schulung von Regelsportverbänden, Breitensportveranstaltungen und weiteren Akteur:innen, damit inklusive Sportangebote entstehen und nachhaltig wirken.
Politisches Engagement
Wir setzen uns für die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention im Sport ein und unterstützen politische Initiativen wie die Inklusions-Initiative. Damit schaffen wir die nötigen Rahmenbedingungen, um unsere Vision auch auf politischer Ebene zu verankern.
